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Darf es noch etwas Dämmung sein?


Dieser Artikel ist kein Artikel gegen die energetische Sanierung von Altbauten, er soll Sie nur dazu bringen, Ihr Vorhaben und die Ihnen gegebenen Empfehlungen zu hinterfragen.

Egal ob in der Werbung, bei Hausbesichtigungen, ja sogar beim gemütlichen Abend mit Freunden, überall hört man, es muss gedämmt werden.
Auf die Frage, warum wollen Sie Ihr Haus dämmen, hört man immer wieder folgende Antworten:

  • Es ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • Es spart Heizkosten und das Wichtigste ist
  • wir wollen die Umwelt schonen.

 

Es ist gesetzlich vorgeschrieben

Das Gesetz, auf welches sich alle beziehen ist die EnEV (Energieeinsparverordnung). Die wichtigsten Schwerpunkte der EnEV sind:

  • Die Senkung des Energiebedarfs neu zu errichtender Gebäude auf den Standard eines Niedrigenergiehauses.
  • Die Dämmung der obersten Geschossdecke und der zugänglichen Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden.
  • Verpflichtung zur Außerbetriebnahme alter Heizkessel die vor 1978 eingebaut wurden.
  • Die Verschärfung energetischer Anforderungen bei wesentlichen Änderungen an Bauteilen, die erneuert, ersetzt oder erstmalig eingebaut werden.

 

Zu Punkt 1:  Die Senkung des Energiebedarfs neu zu errichtender Gebäude auf den Standard eines Niedrigenergiehauses.
Dass man einen Neubau nach dem neusten Stand der Technik errichtet, leuchtet jedem ein. Aber auch hier ist darauf zu achten, was für Materialien benutze ich und wie harmonieren diese miteinander.

 

Zu Punkt 2: Die Dämmung der obersten Geschossdecke und der zugänglichen Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden.
Auch das ist noch plausibel, warme Luft steigt nach oben, da ist es nur logisch, dass die obere Geschossdecke (die thermische Hülle) gedämmt wird. e Miete zahlt, bekommt der auch kein warmes Zuhause.

 

Zu Punkt 3, Verpflichtung, zur Außerbetriebnahme alter Heizkessel die vor 1978 eingebaut wurden.
Und hier liegt der Hase schon im Pfeffer, die §§ 10-13 der EnEV besagen hierzu Folgendes:
Nicht alle alten Heizkessel müssen außer Betrieb genommen werden, nämlich Niedertemperatur-Heizkessel oder Brennwertkessel, sowie heizungstechnische Anlagen, deren Nennleistung weniger als vier Kilowatt oder mehr als 400 Kilowatt beträgt, dürfen weiter betrieben werden wenn sie nach den anerkannten Regeln der Technik gedämmt sind.

Elektrische Heizsysteme müssen erneuert werden, aber nur in Mehrfamilienhäusern mit mind. 5 Wohneinheiten in denen die Raumwärme ausschließlich mit diesen Elektroheizungen erzeugt wird. Ist dieses der Fall, müssen Elektroheizungen die vor dem 01.01.1990 eingebaut wurden, bis zum 31.12.2019 erneuert werden (d.h. Sie haben noch ungefähr zwei Jahre Zeit).
Elektroheizungen die nach den 01.01.1990 eingebaut wurden oder werden, müssen nach Ablauf von dreißig Jahren erneuert werden (d.h. wenn Sie am 01.01.2012 eine Elektroheizung einbauen, müssen Sie sie am 31.12.2042 erneuern)

Und nun zu Punkt 4: Die Verschärfung energetischer Anforderungen bei wesentlichen Änderungen an Bauteilen, die erneuert, ersetzt oder erstmalig eingebaut werden.
Ok, hier steht, dass bei Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen sowie bei Um- oder Ausbauten die Anforderungen der EnEV einzuhalten sind. Aber dort steht nicht, dass Sie die Außenfassade Ihres Hauses mit irgendwelchen Styropor-Platten zukleistern und totdämmen müssen. Nicht nur, dass durch das Anbringen von irgendwelchen Polystyrolplatten die individuelle Fassade eines Gebäudes und damit der Charakter des Gebäudes und sogar des ganzen Straßenzuges zerstört wird, nein, der Eigentümer kann sich dadurch das Leben zur Hölle machen.

Algenbildung bei einer gedämmten Wand

 Eines der Probleme mit denen Häuser, nicht nur der ersten Dämmgeneration, immer noch zu kämpfen haben ist die Algenbildung auf den Außenwänden. 2001 hat sich sogar das Fraunhofer-Institut für Bauphysik diesem Thema angenommen mit dem Ergebnis, dass Wärmedämmverbundsysteme für Algenbewuchs anfälliger sind als monolithische Wände (Wände aus homogenen Baustoffen).
                                                                        

Der Grund dieser Algenbildung ist ganz einfach erklärt, im Gegensatz zu einer Ziegelwand kann ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) keine Wärme speichern, d.h. die Wand kühlt nach Sonnenuntergang zu schnell wieder ab, dadurch kann es zu Tauwasserbildung auf der Oberfläche kommen, diese Feuchtigkeit begünstigt den Algenbewuchs und die Schimmelbildung auf der Fassade.
Als Lösung des Algenproblems empfehlen die Damen und Herren vom Fraunhofer Institut eine Beimischung von Bioziden in die Außenputzmischung oder ein infarot-reflektierenden Anstrich. Diese sollen die Unterkühlung der Wand in der Nacht reduzieren, so dass die Taubildung auf der Oberfläche reduziert wird.
Oder man macht es, wie es der Geschäftsführer des Gesamtverbandes Dämmstoffindustrie (GDI) vorschlägt, die Wand durch ein vorspringendes Dach vor Dauerregen zu schützen.
Damit ist zwar das Problem der Taubildung nicht beseitigt, aber aufgrund der Tiefe des Vorsprunges benötigt man im Sommer auch keinen Sonnenschutz für das Wohnzimmer, es ist immer schön kühl und dunkel.
Was Außenputzmischungen mit Bioziden angeht, eigentlich wollten wir doch die Umwelt schonen und nicht noch mehr Gift produzieren. Denn auch wenn es sich gut anhört, Biozide (ist ja schließlich das Wort Bio drin), abgeleitet wird es aus dem Worten Bios, das ist griechisch und heißt Leben und caedere http://de.wikipedia.org/wiki/Latein das ist lateinisch und heißt nichts anderes als töten. Also kurz gesagt: Leben töten.
Biozide sind Chemikalien und Mikroorganismen die zum Beispiel in Rattengift vorkommen.
Nicht nur, dass diese Biozide sich mit der Zeit auswaschen und somit ihren Zweck nicht mehr erfüllen, sondern sie werden ein Teil Ihres Zuhauses.
Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit die Algenbildung zu verhindern, mittlerweile forscht die Industrie an Möglichkeiten, die gedämmten Fassaden zu beheizen. Dafür werden z. B. elektrische Heizmatten in die Fassade eingearbeitet.

Aber nicht nur die Algenbildung wird durch Tauwasser begünstigt, dieses Tauwasser kann auch die Fassade selbst schädigen. Nämlich dann, wenn Feuchtigkeit sich im Außenputz sammeln kann. Diese Feuchtigkeit kann dazu führen, dass der Putz „gesprengt“ wird und Feuchtigkeit ins Innere der Dämmung gelangt, diese Feuchtigkeit kann das Mauerwerk selbst schädigen. Aber nicht nur das Mauerwerk, sondern auch der eigentliche Grund der Dämmung, nämlich Wärme zu speichern ist in Gefahr. Denn auch ein nasser Pullover hält nicht warm, früher oder später muss man ihn trocknen oder einen neuen kaufen.

 

Es spart Heizkosten

Zunächst einmal, das Dämmen führt immer zu einer Verbesserung der Wärmedämmung, die Frage ist, ist es auch wirtschaftlich.
Aktuelle Studien belegen, dass eine übliche Wärmedämmungsmaßnahme (Wärmeverbundsystem, Keller- und Dachbodendämmung, Fensteraustausch) i.d.R. 30-40% Energieeinsparung zur Folge hat.
Gehen wir von einer Einsparung von 35% bei Altbauten aus, ergibt sich Folgendes:
Lag der jährliche Heizölverbrauch bei einem ungedämmten Haus bei ca. 3000 l, liegt er nach der Dämmung bei ca. 1950 l, das heißt, die jährliche Ersparnis liegt bei ca. 1050 l.
Bei einem durchschnittlichen Heizölpreis von ca. 0,85 €/l sind das ca. 892,50 € im Jahr. Das hört sich doch erst einmal ganz gut an.
Setzt man einen Sanierungsaufwand von ca. 30.000,00 € dagegen, benötigen Sie ca. 34  Jahre bevor sich diese Maßnahmen amortisieren.
In dieser Berechnung sind der Wartungsaufwand und die Erhöhung der Heizölpreise nicht berücksichtigt. Auch nicht berücksichtigt sind die Lebensdauer (ca. 30-40 Jahre) und die Entsorgung der Fassadendämmung.

 

Und das Wichtigste, wir wollen die Umwelt schonen

Wichtig ist, dass wir uns klar machen, jedes Bauvorhaben belastet die Umwelt egal ob wir sanieren, renovieren oder neu bauen, es ist mit dem Verbrauch von natürlichen Ressourcen verbunden. Es beginnt mit dem Energie- und Materialeinsatz bei der Herstellung der Baumaterialien, über den Transport und endet bei der Wartung.
Wichtig ist es den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten. Dazu sollte man sich fragen:
Wo liegen überhaupt meine Energieeinsparpotentiale, muss ich überhaupt Dämmen und wenn ja in welchem Umfang und mit welchen Materialien oder ist es sinnvoller „nur“ die Fenster oder die Heizung auszutauschen?

Vergleichswerte des Energiebedarfs nach der EnEV

Vergleichswerte Energiebedarf.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Bild kennt jeder, der sich schon einmal einen Energieausweis angeschaut hat. Und gehen wir einmal davon aus, dass unser Haus einen jährlichen Heizkostenverbrauch von 140 kWh (m²/a) hat liegt er schon fast im Bereich des von der EnEV angestrebten Energiebedarfs, eine Wärmedämmung würde in diesem Fall nur Ihrem Geldbeutel schaden.

 

Die beste und günstigste Möglichkeit überhaupt, Geld, Energie und Ressourcen zu sparen, ist ein dicker Pullover. Warum müssen wir im Winter, unbedingt mit T-Shirt im Haus rumlaufen?

 

Und wenn Ihnen das alles viel zu kompliziert ist, in der EnEV gibt es zwei ganz besondere Paragraphen, die die Industrie und auch der Energieberater gerne verschweigen.
§ 24 Ausnahmen
(1) Soweit bei Baudenkmälern oder sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung der Anforderungen dieser Verordnung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen, kann von den Anforderungen dieser Verordnung abgewichen werden.
(2) Soweit die Ziele dieser Verordnung durch andere als in dieser Verordnung vorgesehene Maßnahmen im gleichen Umfang erreicht werden, lassen die nach Landesrecht zuständigen Behörden auf Antrag Ausnahmen zu.
§ 25 Befreiungen
(1) Die nach Landesrecht zuständigen Behörden haben auf Antrag von den Anforderungen dieser Verordnung (der EnEV) zu befreien, soweit die Anforderungen im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen. Eine unbillige Härte liegt insbesondere vor, wenn die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer, bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können.
(2) Eine unbillige Härte im Sinne des Absatzes 1 kann sich auch daraus ergeben, dass ein Eigentümer zum gleichen Zeitpunkt oder in nahen zeitlichen Zusammenhang mehrere Pflichten nach dieser Verordnung oder zusätzlich nach anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften aus Gründen der Energieeinsparung zu erfüllen hat und ihm dies nicht zuzumuten ist.

 

Quellennachweis:
- EnEV (Energieeinsparverordnung)
- Wikipedia.org
- Welt-online.de
- Konrad-Fischer.de
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik
- Naturschutzbund Deutschland e.V.
- IWH Institut für Wirtschaftsförderung Halle